Das Spiel der Farben – der Farbenkreis
3. März 2010 | Von sonnenfee | Kategorie: Kunst & KulturSeit jeher übt das Spiel der Farben eine große Faszination auf die Menschen aus. Dabei gab und gibt es immer wieder Bestrebungen, die existierenden Farbtöne unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten in eine Verbindung zueinander zu setzen und eine Ordnung unter ihnen zu schaffen. Der Farbenkreis, der so zustande kommt, soll die Beziehung der einzelnen Nuancen verdeutlichen und birgt den Vorteil, dass sich in dieser Form der Darstellung die Übergänge zwischen den Farben aufzeigen lassen. Um das Spiel der Farben wissenschaftlich zu erfassen, stellt sich zunächst die Frage, unter welchem Aspekt der Farbenkreis angefertigt werden soll: Ästhetik, Kunst, Technik, Physik, Psychologie sind nur einige der Themenkomplexe, die für eine Analyse in Frage kommen.
Dabei muss bedacht werden, dass der Farbenkreis nur einzelne Informationen enthalten kann – der Farbenkreis, der alle Aspekte in Bezug auf das Spiel der Farben berücksichtigt und somit allgemeine Gültigkeit besitzt, existiert nicht. Der Farbenkreis, der besonders unter Anthroposophen bekannt und geschätzt ist, ist derjenige von Johann Wolfgang von Goethe, der im Jahr 1810 veröffentlicht wurde. Eine wesentliche Erkenntnis, die der Farbenkreis vermitteln soll, ist die Tatsache, dass das menschliche Auge das Spiel der Farben allein unter dem Einfluss von Licht erfassen kann; Goethe stellt des Weiteren die These auf, dass Farben aus einer Modifikation des Lichts resultieren, also ein Phänomen zwischen Helligkeit und Finsternis darstellen. Der Farbenkreis von Goethe basiert darauf, dass die Farbe Gelb am nächsten an der Helligkeit, Blau hingegen am nächsten an der Finsternis zu verorten ist und baut auf die Vermutung auf, dass diese beiden Töne, die er als die einzig reinen bezeichnet, das Spiel der Farben bestimmen. Darüber hinaus verdeutlicht der Farbenkreis, dass Goethe den Farben eine unmittelbare Wirkung auf die Gemütslage zuschreibt und teilt das Spektrum in zwei Pole ein. Gelb und Rot symbolisieren dabei die Plusseite und gelten als anregend, lebendig und warm, der Übergang zu Blau hingegen stimmt nach seiner These unruhig, sehnsüchtig und kalt.
Aufgrund dieses ganzheitlichen naturwissenschaftlichen Ansatzes wurde der Farbenkreis von Goethe zeitweise abgelehnt – besonders vor dem Hintergrund, dass Isaac Newton das Spiel der Farben zuvor hatte mathematisch erfassen wollen und Goethe diese Sichtweise in seinem Werk kritisierte. Inzwischen betrachtet man beide Weltanschauungen als absolut konträr und nicht zu vergleichen und bewertet beide unabhängig voneinander im historischen Kontext.
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