Legasthenie – LRS – Lese-Rechtschreib-Schwäche
3. März 2010 | Von tamira | Kategorie: Bildung & WissenLegasthenie, oder auch Lese- Rechtschreib-Schwäche (LRS), ist eine anhaltende und ausgeprägte Störung des Schreiben- und Lesenlernens.
Legastheniker haben Probleme die gesprochene Sprache in geschriebene Sprache zu verwandeln und umgekehrt Texte zu lesen und mündlich wiederzugeben. Die Ursachen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Es werden sowohl die genetische Veranlagung, neurologische Ursachen, Sprachentwicklungsverzögerungen als auch Probleme im sozialen Umfeld als mögliche Ursachen betrachtet.
Ein Kind, das unter Legasthenie leidet, kann die Sprache nicht richtig verarbeiten und hat Probleme damit, den Wortlaut richtig in geschriebene Sprache umzuwandeln. Dabei tritt Legasthenie als isolierte Störung auf. Das Kind ist nicht weniger begabt oder intelligent als andere Kinder und seine Lernprobleme wirken sich zunächst nur beim Lesen und in der Rechtschreibung aus. Wird eine Legasthenie allerdings nicht erkannt können sich weitere Probleme entwickeln, da das Kind durch die Legasthenie großem psychischem Stress ausgesetzt ist.
Nach Schätzungen sind in Deutschland etwa 4 % der Schüler und Schülerinnen von einer Legasthenie betroffen.
Durch frühzeitiges Erkennen der Legasthenie können die Probleme aber kompensiert werden. Je später die Therapie jedoch einsetzt, desto geringer sind die Chancen auf einen guten Therapieerfolg.
Symptome einer Legasthenie
Man kann im Groben drei Erscheinungsformen der Legasthenie unterscheiden:
- Lese- Rechtschreibstörung
- isolierte Rechtschreibstörung
- kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten
Die allerersten Anzeichen einer eventuellen Legasthenie können Probleme beim Aufsagen des ABCs, bei der Benennung der Buchstaben und/ oder beim Bilden von Reimen sein..
Spätere Anzeichen beim Lesen lernen können sein:
- Auslassungen, Verdrehungen oder Hinzufügen von Wörtern
- Austauschen oder Vertauschen von Buchstaben, Silben oder Wörtern
- Sehr langsames Lesen
- Startschwierigkeiten beim Vorlesen, Zögern beim Lesen und Verlieren der Textzeile
- Schwierigkeiten mit den Doppellauten
- Der Text kann inhaltlich nicht wiedergegeben werden
- Zusammenhänge und Inhalte des gelesenen Textes werden nicht verstanden
- Zur Beantwortung von Fragen zum Text wird allgemeines Wissen verwendet
Allerdings haben alle Kinder zu Anfang des Lesen und Schreiben Lernens diese Probleme und Schwierigkeiten. Der Unterschied zwischen einem Kind ohne LRS und einem Kind, das unter Legasthenie leidet ist, dass die Fehlerzahl beim Kind mit Legasthenie konstant hoch bleibt und auch die Lesegeschwindigkeit trotz häufigen Übens nicht deutlich gesteigert wird. Kinder ohne Legasthenie lassen diese Anfangsschwierigkeiten meist rasch hinter sich und steigern ihre Lese- und Rechtschreibfähigkeiten sehr schnell. Ein weiteres deutliches Merkmal für Legasthenie ist die Inkonsistenz der Fehler, da bei einem Kind mit Legasthenie die Fehler immer wieder unterschiedlich sind. So wird ein und dasselbe Wort auf unterschiedlichste Weise falsch geschrieben, auch innerhalb eines Textes.
Die Rechtschreibfehler können dabei in folgende Gruppen unterteilt werden:
- Buchstabenverdrehungen
- Reihenfolgefehler
- Regelfehler
- Auslassungen
Bei der Behandlung der Legasthenie sollte immer viel Wert auf eine hohe Motivation des Schülers gelegt werden und daher auch auf den Stärken des Schülers aufgebaut werden. Ein positives Arbeitsklima ist ebenfalls sehr wichtig, da der Schüler oft schon viele negative Lernerlebnisse hinter sich hat. Die Fehlerbeobachtung ist sehr wichtig um eine individuelle Lernstrategie für den Schüler zu entwickeln, sie sollte aber vom Schüler nicht bemerkt werden, da er sonst demotiviert werden könnte.
Gründe und Ursachen der Legasthenie
Bei der Entstehung einer Legasthenie wirken meist vielfältige Ursachen zusammen. Dabei sollte bedacht werden, dass auch bei einem Kind mit der genetischen Veranlagung für Legasthenie, durch frühzeitige fachliche Förderung die Ausbildung der Lernschwäche verhindert werden kann.
Folgende Ursachen werden als mögliche Verursacher der Legasthenie in Betracht gezogen:
- Genetische Veranlagung zur Legasthenie
- Neurologische Ursachen, die sich in Verarbeitungsschwierigkeiten bestimmter Informationen im Gehirn manifestieren, oder auch Probleme in der Blicksteuerung.
- Sprachentwicklungsverzögerungen führen in 25 % der Fälle zu einer späteren Legasthenie.
- Probleme mit der phonologischen Informationsverarbeitung stehen in einem engen Zusammenhang zur Ausbildung einer Legasthenie.
- Das soziale Umfeld und häusliche Situation können die Ausbildung einer Legasthenie beeinflussen, vor allem das Leseverhalten der Eltern und der tägliche Fernsehkonsum spielen dabei eine wichtige Rolle.
Legasthenie Diagnose
Bevor eine Legasthenie diagnostiziert werden kann müssen körperliche Ursachen wie eine Schwerhörigkeit oder eine Sehstörung ausgeschlossen werden. Auch eine Prüfung auf psychologische Ursachen, die durch das soziale Umfeld verursacht worden sind, ist zunächst notwendig. Unter Umständen können hier schon die Ursachen der Lernschwierigkeiten festgestellt und behoben werden.
Wenn keine dieser Ursachen erkennbar ist, sollte das Kind auf Legasthenie getestet werden. Dafür stehen eine Reihe standardisierter Leistungstests zur Verfügung, die ja nach Alter des Kindes seine Lese- und Rechtschreibleistungen bewerten können. Zusätzlich sollte ein Intelligenz Test durchgeführt werden. Der Vergleich der schriftsprachlichen Leistungen zur Intelligenz kann anschließend Aufschluss über eine Legasthenie geben.
Allerdings sollte beachtet werden, dass auch leistungsschwache Schüler ohne die Lernstörung Legasthenie besondere Förderung und Hilfe brauchen.
Prävention und Therapie von Legasthenie
Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Legasthenie-Therapie ist das frühzeitige Erkennen der Lernschwäche.
Die besten Therapieerfolge erzielt man, wenn die Legasthenie schon vor dem Schulalter, also noch im Kindergarten oder in der Vorschule, festgestellt wird. Spätestens im ersten Schuljahr sollte bei bestehendem Verdacht, der mögliche Beginn einer Legasthenie abgeklärt werden, um dann mit einer Frühtherapie zur Prävention zu beginnen. Bei bleibenden Problemen sollte die Förderung so bald wie möglich einsetzten. Innerhalb der ersten beiden Schuljahre bestehen die besten Chancen eine bestehende Legasthenie noch erfolgreich zu behandeln. Umso später die Förderung einsetzt, desto geringer sind die Chancen auf ein gutes Therapieergebnis. Zudem sollte man auch den psychischen Stress nicht außer Acht lassen, dem das Kind während der Zeit ohne Förderung ausgesetzt ist.
Zur Behandlung der Legasthenie stehen verschiedene Lernverfahren zu Verfügung, die je nach Alter und individueller Symptomatik des Kindes ausgewählt und kombiniert werden sollten. Dabei sollten nur solche Therapien und Lernverfahren gewählt werden, die vom Bundesverband Legasthenie empfohlen und als wirksam anerkannt sind. Diese Lerntherapien können das Schriftsprache-Niveau deutlich verbessern, wenn auch die Probleme oftmals nicht ganz behoben werden können. Legastheniker haben durch ihre Lernschwäche oft ihr Leben lang Nachteile, durch die richtige Therapie und psychologische Betreuung können sie aber lernen damit zu leben, und ihre Lese- und Rechtschreibfähigkeiten deutlich verbessern.
Um den Schüler in der Schule von dem starken seelischen Druck weitestgehend zu befreien sollte eine Befreiung von der Benotung im Fach Deutsch angestrebt werden.
Eine zusätzliche psychologische Betreuung ist in den meisten Fällen ebenfalls notwendig und sollte folgende Ziele verfolgen:
- Abbau der leistungsbezogenen Ängste
- Aufbau der Lernmotivation
- Verstärkung und Aufbau des Selbstbewusstseins
- Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
- Aneignung von Entspannungstechniken
- Aneignungen von Techniken zur Fehlerkontrolle
- Erarbeitung von Bewältigungsstrategien
- Behebung weiterer psychischer Symptome wie zum Beispiel Aggressionen
Schulische Maßnahmen bei Legasthenie
Da Schüler, die unter Legasthenie leiden, oftmals von Mitschülern und unwissenden Lehrern als dumm oder faul abgestempelt werden, müssen die Leher so bald wie möglich über die Lernschwäche des Schülers aufgeklärt werden.
Folgende Maßnahmen zum Ausgleich der Nachteile haben sich als sinnvoll und wirksam erwiesen:
- Zeitzuschläge von bis zu 50% und Notenschutz bei schriftlichen Arbeiten
- Keine Benotung der Lese- und Rechtschreibleistungen
- Prüfungen sollten hauptsächlich mündlich abgehalten werden
- Zeitzuschläge bei schriftlichen Leistungen wie Tests, Arbeiten, Prüfungen
- Zulassung von zusätzlichen Hilfsmitteln zur Erstellung der Hausaufgaben oder Aufgaben im Unterricht (PC, Laptop)
- möglichst zusätzliche, individuelle Förderung in Kleingruppen durch die Schule Sollte die Schule keine passende Legasthenie Förderung anbieten, kann beim Jugendamt die Bezahlung außerschulischer Legasthenie Therapie gemäß § 35a Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ 35a SGB VIII) beantragt werden.
Hilfen für den Schüler bei Legasthenie
Folgende Hilfsmittel, Maßnahmen und Strategien können dem legasthenen Schüler helfen, besser mit der Legasthenie umzugehen und die Lernschwäche in den Griff zu bekommen, ohne die Freude am Lernen zu verlieren:
- Entwicklung des eigenen, individuellen Lernstils
- Lernstrategien, die die Stärken fördern und die Schwächen kompensieren
- Ein Umfeld, das beim Lernen möglichst viele Sinne anspricht und zum aktiven Lernen führt. Hierfür eignet sich der Computer besonders gut, da die Buchstaben sauber und in beliebiger Größe dargestellt werden können. Fehler können dadurch schneller erkannt und mit Hilfe von Korrekturprogrammen erfolgreich korrigiert werden. Es gibt mittlerweile vielfältige und gute Lernprogramme für alle Altersklassen. Zudem macht das Lernen mit dem Computer den meisten Schülern mehr Spaß, als das Lernen mit Papier und Stift. Leise, ruhige Hintergrundmusik fördert zusätzlich das Lernen.
- Der spätere Einsatz von umfangreicheren Programmen, zum Beispiel zum Vorlesen ganzer Texte, bildet eine sinnvolle Begleitung in der weiteren Schullaufbahn.
- Besonders wichtig ist es, dem Schüler die verschiedenen Lerntechniken und Strategien vorzustellen und zu erklären, damit er sich die passenden Lerntechniken raussuchen, kombinieren und weiterentwickeln kann. Dabei müssen die Schule und die Lehrer während der gesamten Schullaufbahn mithelfen, und zum Beispiel die Verwendung eines Laptops im Unterricht, besondere Arbeitsanleitungen oder Aufnahmegeräte zulassen. Die Therapie einer Legasthenie ist langwierig und ihr Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie früh die Legasthenie erkannt wird. Beginnt man jedoch früh genug, kann der Schüler die Lernschwäche oftmals kompensieren und mit gesundem Selbstbewusstsein, nach erfolgreicher Beendigung seiner Schullaufbahn, ins Arbeitsleben starten. Ein Kind, das sich jahrelang mit Schulproblemen quälen muss, entwickelt zwangsläufig eine negative Lerneinstellung und kann unter Umständen auch psychische Schäden davon tragen. Wenn Sie sich unsicher sind, ob ihr Kind an einer unentdeckten Legasthenie leidet, sollten sie es so bald wie möglich testen lassen. Auch Lernschwierigkeiten, die nicht durch eine Legasthenie verursacht werden, sollten durch frühzeitige Förderung so bald wie möglich behoben werden.
Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann in keinster Weise eine Betreuung und Beratung durch eine entsprechende Fachkraft ersetzen.