Leistungsmotivation (Teil 1)

3. März 2010 | Von | Kategorie: Bildung & Wissen

Unter Leistungsmotivation versteht man nicht nur schlichten Fleiß und Arbeitswillen. Es geht hierbei vielmehr um die Komponente der Bewertung der eigenen Tüchtigkeit. Die Grundlage dieser Bewertung bildet der eigene Gütemaßstab, den es zu erreichen oder sogar zu übertreffen gilt. So handelt es sich oftmals um ein konkretes Leistungsziel. Die tatsächliche Nützlichkeit dieses Ziels spielt im Zusammenhang mit der Leistungsmotivation keine Rolle. Ob sich Freude über die eigene Tüchtigkeit einstellt, hängt davon ab, ob man sich das Resultat selbst zuschreibt, oder von äußeren Ursachen, wie Glück oder Hilfe, abhängig macht.

Das Leistungsmotiv ist bei allen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Es beeinflusst auch, wie Menschen bestimmte Situationen wahrnehmen und bewerten. So fragen sich Menschen mit einem stark ausgeprägten Leistungsmotiv oftmals, ob sie die Dinge nicht noch besser machen könnten.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei das so genannte Anspruchsniveau. Dies ist ein konkretes Maß, welches sich eine Person setzt. Wird dieses Maß erreicht oder übertroffen stellt sich Erfolg und Freude ein – wird es hingegen unterboten oder verfehlt, stellt sich Misserfolg ein. Leistungsmotivation ist in vielen alltäglichen Situationen zu beobachten. Ob man eine bestimmte Schulnote bekommen möchte, eine gewünschte Zeit beim Joggen erreichen möchte oder man den Highscore seines neuen Computerspiels knacken möchte – all diese Situationen beinhalten ein spezifisches Anspruchsniveau, welches es zu bewältigen gilt.

Doch was genau macht hierbei den Anreiz aus? Warum streben Menschen danach bestimmte Ziele zu erreichen? Die Antwort ist ganz simpel. Schlichtweg der Stolz, welcher verspürt wird, nachdem man etwas persönlich Anspruchsvolles realisiert hat, ist der Anreiz auch teils schwierige Aufgaben in Angriff zu nehmen. Eine allgemeine Zufriedenheit mit der eigenen Tüchtigkeit baut sich auf und schafft eine Form der innerlichen Befriedigung.

So ist das Verhalten einiger Menschen für andere kaum nachvollziehbar. Man kann hier von irrationalem Verhalten sprechen, was nur dem Erreichen eines spezifischen Ziels dient. So ist es für viele Frauen wenig verständlich, warum ihre Männer wochenlang an ihrem Motorrad schrauben, obwohl sie es doch einfach in die Werkstatt bringen könnten.

Die Entwicklung des Leistungsmotivs setzt bereits in der frühen Kindheit ein. Der entwicklungspsychologische Vorläufer ist das Bestreben etwas selber machen zu wollen. Diese Tendenz ist bereits innerhalb des ersten Lebensjahres zu beobachten und zieht sich über die gesamte Kindheit. Besonders starken Widerstand leisten die Kleinen bei Tätigkeiten, die ihnen bekannt sind, welche ihnen aber nicht immer oder nicht vollständig ohne fremde Hilfe gelingen. Ein typisches Beispiel ist hierbei das Anziehen von Kleidung. Jede Mutter kennt die Situation, in der man es eilig hat, aber das Kind noch nicht angezogen ist. Man möchte dem Kind rasch die Schuhe anziehen und sich auf den Weg machen. Doch dies ist oftmals leichter gesagt als getan, denn häufig besteht das Kind regelrecht darauf, sich die Schuhe selbst anzuziehen. Angebotene Hilfe wird lautstark abgelehnt. Wird das Ziel nicht selbst erreicht und Mutti musste doch wieder helfen, wird ein Gefühl des Versagens verspürt. Natürlich wird dies in so jungen Jahren schnell überwunden. Szenen wie diese spielen sich fast täglich ab. Doch mit zunehmendem Alter können solche Misserfolgserfahrungen durchaus negative Folgen auf die Gesamtmotivation eines Menschen haben.


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