Nachhilfeunterricht

3. März 2010 | Von tamira | Kategorie: Bildung & Wissen, Familie & Schule

Unter Nachhilfe versteht man die gelegentliche oder auch regelmäßige, systematische Unterstützung eines Schülers in einem oder mehreren Schulfächern, dabei kann der Grund für den Nachhilfeunterricht neben Lernproblemen auch der Wunsch nach besseren Noten sein.

Zum einen kann Nachhilfe von Familienmitgliedern, zum Beispiel Geschwistern oder Eltern, durchgeführt werden, in den meisten Fällen ist aber ein professioneller Unterricht durch einen außenstehenden Nachhilfelehrer oder eine Nachhilfelehrerin zu empfehlen. Die Dauer der Nachhilfe ist individuell ganz unterschiedlich und hängt von der Schulklasse, dem Fach, den einzelnen Schulproblemen und vor allem von der Lernsituation des einzelnen Schülers ab. Bei frühzeitig einsetzender Nachhilfe können in der Regel sehr viel schnellere Ergebnisse erzielt werden, als bei Problemen, die schon über Jahre „mitgeschleppt“ wurden.

Nach Schätzungen nehmen derzeit ca. 30-40% aller Schüler irgendwann im Laufe Ihrer gesamten Schulzeit Nachhilfeunterricht in Anspruch. Oftmals leiden Schüler auch unter einer nicht erkannten Lernschwäche wie Legasthenie oder Dyskalkulie…

Wann braucht ein Kind Nachhilfeunterricht?

Jeder Schüler hat im Laufe seiner Schullaufbahn Hoch- und Tiefphasen, und jeder Schüler hat auch seine eigenen Stärken und Schwächen. Daher ist es nicht sinnvoll bei einem „Ausrutscher“ direkt auf Nachhilfeunterricht zurückzugreifen. Der Schüler muss schließlich auch lernen selbst aktiv zu werden und sich nicht auf die Hilfe anderer zu verlassen.

Wo aber ist die Grenze zwischen den Schulproblemen, die der Schüler selber wieder in den Griff bekommen kann und denen, die nur mit professionellem Nachhilfeunterricht aufzuarbeiten sind?

Bei der Entscheidung für oder gegen Nachhilfeunterricht kommt es auf das Alter, die Lerneinstellung und die schulische Situation des Schülers an. Ist zum Beispiel ein ansonsten guter Schüler in einem einzelnen Fach schlecht, weil er es nicht mag, sollte man abwägen, ob Nachhilfeunterricht in diesem Fach sinnvoll ist. Besteht keine Versetzungsgefahr und ist dieses Fach für das Abschlusszeugnis nicht relevant, so kann man meist auf Nachhilfeunterricht verzichten.

Anders sieht es mit der Entscheidung für Nachhilfeunterricht in den Hauptfächern aus, die spätestens beim Abschlusszeugnis eine wichtige Rolle spielen. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch ist Nachhilfeunterricht spätestens dann sinnvoll, wenn der Schüler zwei oder mehr Arbeiten hintereinander schlechter als vier geschrieben hat. Hier sollte der Nachhilfeunterricht so früh wie möglich beginnen, um dem Schüler im laufenden Schuljahr die Chance zu geben, den nicht verstandenen Stoff nachzuholen, und gleichzeitig den Anschluss an den aktuellen Schulstoff zu halten.

Eltern sind oftmals der Meinung, der Schüler sollte den Stoff zunächst alleine, ohne Nachhilfeunterricht aufarbeiten, und sich selbst wieder aus seiner „faulen Phase“ befreien.

Auch wenn es vom Grundgedanken her nachvollziehbar ist, dass viele Eltern nicht sofort auf Nachhilfeunterricht zurückgreifen wollen, so ist das Lernen für den Schüler doch oftmals schwieriger, als es sich anhört. Anders als bei professionellem Nachhilfeunterricht muss der Schüler sich dabei den Stoff, den er nicht verstanden hat, mithilfe der Schulbücher selbst erklären und mit hoher Selbstdisziplin neben den normalen Hausaufgaben freiwillig zusätzliche Übungen machen. Wenn man sich diese Situation für den Schüler noch mal vor Augen führt, wird vielleicht klar, warum dies in den meisten Fällen ohne Nachhilfeunterricht nicht funktioniert und der Schüler trotz verstärkter Lernbemühungen immer schlechter wird.

Viele Schüler haben nie gelernt, wie man effektiv Hausaufgaben macht, Vokabeln lernt oder sich auf eine Prüfung vorbereitet. Bei manchen Schülern geht es trotzdem viele Schuljahre lang ohne Nachhilfeunterricht gut, da sie sehr intelligent sind und kaum lernen brauchen.

Wird der Schulstoff dann aber schwieriger, und haben sie bis dahin nicht gelernt zu lernen, wird es für sie umso schwerer. Spätestens dann sollte dem Schüler mit individuellem Nachhilfeunterricht geholfen werden. Nachhilfeunterricht, der zu Beginn der Schulschwierigkeiten gezielt einsetzt, dauert in der Regel nicht so lange und ist für den Schüler weniger belastbar, als wenn der Nachhilfeunterricht erst als letzte Notlösung bei gefährdeter Versetzung begonnen wird.

Auch bei sehr jungen Schülern, zu Beginn der Schullaufbahn, kann eine individuelle Lernförderung durch Nachhilfeunterricht sehr sinnvoll sein. Schon durch gezielte Hilfe bei den Hausaufgaben, und dem gemeinsamen Üben für Diktate und Tests, erlangt der Schüler durch den Nachhilfeunterricht mehr Sicherheit und kann besser mit den Mitschülern mithalten. Zudem können dem jungen Schüler die richtigen Lerntechniken und Lesestrategien im Nachhilfeunterricht spielerisch vermittelt werden, sodass er sie später selbstständig anwenden kann.

Kein Bock auf Nachhilfeunterricht?

Natürlich sind die meisten Schüler nicht besonders begeistert, wenn das Thema Nachhilfeunterricht angesprochen wird. Sie verbinden damit nur weiteres sinnloses Pauken für ein Fach, das sie nicht mögen. Schüler, die immer wieder schlechte Noten in einem Fach bekommen haben, resignieren meist nach einiger Zeit und sehen daher keinen Sinn im Nachhilfeunterricht.

Hier sollten Sie als Eltern zunächst versuchen Ihr Kind zu überzeugen, dass durch den Nachhilfeunterricht die Arbeit in der Schule und das Lernen erleichtert werden. Sie können auch ein Abkommen mit Ihrem Kind vereinbaren, dass Sie den Nachhilfeunterricht zunächst für eine bestimmte Zeit testen und Ihr Kind ein Mitspracherecht hat, ob der Nachhilfeunterricht ihm hilft oder nicht.

Natürlich sollten Sie sich nicht damit zufriedengeben, wenn Ihr Kind einfach keine Lust auf den Nachhilfeunterricht hat und sich deshalb der Förderung verweigert. Häufig liegen dieser Verweigerung jedoch tiefer liegende Ursachen zugrunde, die meist nichts mit dem Nachhilfeunterricht zu tun haben und auf jeden Fall untersucht werden sollten.

Auch bei der zeitlichen Planung des Nachhilfeunterrichts ist die Absprache mit dem Kind sehr wichtig. Fragen Sie Ihr Kind, wann es sich am besten konzentrieren kann und welcher Tag ihm für den Nachhilfeunterricht am besten passt. Versuchen Sie nicht gegen den Willen des Kindes einen bestimmten Tag auszusuchen. Das Kind würde den Nachhilfeunterricht sonst nur als Bestrafung empfinden, was sich natürlich äußerst negativ auf die Lernmotivation auswirkt.

Nachhilfeunterricht kann nur dann seine volle, positive Wirkung für den Schüler entfalten, wenn der Schüler vom Sinn und Zweck des Nachhilfeunterrichts überzeugt ist, und in dem Fach oder den Fächern besser werden will.

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